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  • "Montag", ich habe Angst vor dir!

    Verdammt, ich hatte doch noch nie in meinem Leben ein Vorstellungsgespräch und jetzt, wo es nur noch wenige Tage sind, scheiß ich mir mächtig in die Hosen, ehrlich!
    Und je öfter ich das Wort "Vorstellungsgespräch" in die Google-Suchmaske eingebe, desto schlimmer werden die Ergebnisse. Was im Endeeffekt dazu dienen sollte mir mit einigen hilfreichen Tipps zu dienen, artet nun so langsam in ein Horror-Szenario aus.
    Immer mehr mögliche Fragen, die man mir stellen könnte auf die ich im Stehgreif keine flotte Antwort hätte.
    Seit Tagen zerbrech ich mir nun schon meinen Kopf über meine Schwächen und finde einfach keine, weil ich natürlich keine habe die mich nicht dumm dastehen lassen würde.
    Glaube ich eine gefunden zu haben, die ein Arbeitgeber auch positiv auslegen könnte, habe ich sie auch schon schnell wieder verworfen.
    Zu aller erst fällt mir da mein Perfektionismus ein, der mir des Öfteren wirklich mächtig auf den Geist geht und mir vor allem kostbare Zeit raubt.
    Aber den nennt wohl Hinz und Kunz als Schwäche beim Vorstellungsgespräch und das weiß sicher auch jeder Chef.
    Und überhaupt, was würden die von mir halten, wenn ich erzähle, dass ich bei meinem Bewerbungsschreiben für viele Wörter fast alle Synonyme zusammengesucht habe, nur um dann "das perferkte Wort" auf Papier stehen zu haben.
    Oder, dass ich mich manchmal dumm und dämmlich ärgere, wenn ich feststelle, dass ich vergessen habe den passend farblichen Haarreif zu meinem Outfit anzuziehen und mich erst nach Stunden mit meinem unperfekten Erscheinungsbild zufrieden geben kannn.
    Also bitte, die werden mich doch für völlig irre halten und glauben, dass ich drei Jahre quer durch Deutschland rennen werde, nur um die "perfekte" Location für ein Event ausfindig zu machen.
    Nee, also Perfektionismus geht wirklich nicht.
    "Eine Schwäche von mir ist, dass ich nicht in der Lage bin, einen Sachverhalt kurz und knapp zu schildern", hört sich jedoch auch nicht besser an.
    Wie soll ich denen den verklickern, dass ich immer den Drang habe, so viel Dramturgie, Spannung und Detailliebe wie möglich in mein Erzähltes zu packen, dass mein Gegenüber gar nicht mehr zu Wort kommt?
    Solte ich denen irgendwann mal von einer Veranstaltung Bericht erstatten, würden die doch glauben ich berichte gleich über eine langjährige Veranstaltungsreihe. Auch blöd.
    Und das ich immer glaube im Recht zu sein und auch dann noch darauf beruhe, wenn ich schon längst festgestellt habe, dass ich halt daneben lag, schändet sicher auch nicht den allerbesten Eindruck. Ne kleine Klugscheißerin, werden die sich sicher denken.
    Egal welche Schwäche ich mir zusammenbastel, muss ich sie belegen, wird sie generell ins schlechte Licht gerückt. Das ist doch wirklich jämmerlich.
    Egal, da muss ich wohl durch oder einfach mal hoffen, dass nur ich so eine blühende Phantasie besitze, Schwächen zunächst ins Gute und daraufhin gleich wieder ins schlecht Licht zu rücken.

    Fakt ist, mir zittern die Knie vor weiteren Fragen, die ich mich nie fragen wollte und ich mache drei, nein 30 Kreuze, wenn ich dieses Vorstellungsgespräch heil überstanden habe.

    Jetzt gehts erstmal wieder Richtung Heimat.

    Möge das verdammte Glück am Montag wieder auf meiner Seite stehen. Ist eh mal wieder höchste Zeit...

    Guten Morgen
    Eure Vorstellungsgesprächtraumatisierte Äxel

  • "Es kommt immer alles anders als man denkt"...

    ...oder so ähnlich könnte man es bezeichnen. Mich und mein Leben.
    Keine Ahnung warum ich nach monatelanger Abwesenheit plötzlich wieder blogge.
    Und keine Ahnung, warum ich urplötzlich nicht mehr gebloggt habe.
    Warscheinlich war ich zu sehr mit dem Feiern beschäftigt, dass mindestens zwei Tage in Anspruch nahm und ich danach mindestens genauso viele Tage zur Regeneration in Anspruch nehmen musste.
    Vielleicht war mir mein Leben aber auch einfach nur zu langweilig, peinlich oder frustrierend, um es in die weite Welt hinauszuschreiben. Sucht es euch aus...

    Klar ist, dass irgendwie alles anders geworden ist. Mal find ich's gut, mal schlecht. Was es denn nun ist, wird sich hoffentlich bald zeigen.

    Kennt ihr das Gefühl, wenn man sein Leben lang ein Ziel vor Augen hat, es zielstrebig verfolgt, sich seines Tuns sicher ist und das alles plötzlich weg ist, als hätte jemand Strg+ Alt+ Entf gedrückt?
    Nein?
    Schrecklich ist es. Schrecklich und unheimlich.
    Unheimlich, weil es verdammt noch mal nicht zu erklären ist. Doch so sehr mir mein momentanes Befinden Angst macht, es hat auch seinen Reiz.
    Irgendwie gefällt es mir, dieses gefährliche Gefühl einfach mal in der Luft zu hängen.
    Nichts haben, aber doch die ganze weite Welt wieder vor sich zu sehen. Die ganze Welt mit ihren vielen kleinen Türchen, die das Leben lenken.
    Ich allein stehe also wieder vor ihnen und habe die freie Wahl. Nur, für welche Tür soll ich mich entscheiden???
    In der einen Tür steh ich zumindest schon mit einem Fuss drin:
    Meine Umzug in die Heimat möchte ich in den nächsten drei Wochen vollziehen. Ja, wieder zurück zu Mama und Papa, nur wissen die noch nichts von ihrem Glück. Von rein gar nichts wissen sie.
    Als Freund des gekonnten Aufschiebens hat das ja auch noch Zeit.
    Mein Studium habe ich jedenfalls diese Woche gänzlich an den Nagel gehongen.
    Das passt einfach nicht. Ich passe nicht!
    Weder in diese Stadt, noch in den Studiengang voller Horsts.
    Die Leute hören hier blöde Musik und meine WG hab ich auch nicht mehr so gern.
    Und überhaupt war ich nur noch unter der Woche hier, um im Cafe zu arbeiten, die Wochenenden habe ich fast lückenlos in Hessen verbracht.

    Ich werf mein Leben also mal eben spontan in den Mixer und gucke was dabei rauskommt. Mmhh...kann ich selbst kaum fassen. Ich, die sonst immer ein genaues Ziel verfolgte und Leute verpöhnte, die Sätze, wie "Ich weiß noch nicht genau, was ich später mal machen will" sagten.

    Dass das letzte Jahr reine Verschwendung war, würde ich aber nicht sagen. Ich habe vieles gelernt, auch wenn es nicht in der Uni war.
    Ich habe Dinge über mich und mein Leben gelernt und das ist viel mehr Wert, als zu wissen, wie eine "direkt Demokratie" zu funktionieren hat oder warum die USA eine Hegemonialmacht sind.

    Ich habe keine Lust mehr vorausschauend auf mein Leben zu blicken.
    Im Moment ist mir egal, wo ich mal leben werde, wenn ich lieben werde, für wen ich arbeiten werden.

    Im Moment freu ich mich einfach nur wie Sau auf den Love Family Park am Sonntag in Hanau und hoffe, dass mein Vorstellungsgespräch am Montag bei einer Eventagentur in Frankfurt positiv verlaufen wird.

    Und weiter will ich erstmal gar nicht denken.
    Denn was im Moment ist, ist das Einzige, was zählt...

    Gute Nacht
    Eure Äxel

  • JailoOoOo...

  • 2006...-->...2007

    Sonntag schon ist es wieder so weit. Vorbei ist ein Jahr, vorbei ist 2006.
    Zu Ende geht wieder ein Jahr voller Höhen und Tiefen, Freuden und Tränen, Hoffnungen und Enttäuschungen.
    Dinge wurden getan, die getan werden mussten. Dinge wurden getan, die lieber nicht getan werden sollten.
    Im Endeffekt war alles doch genau so richtig, wie es war.
    Irgendwie immer ein ganz merkwürdiges Gefühl, so ein Jahresende und mich bedrängt das Bedürfnis noch mal zurückzuspulen, alles ganz langsam Revue passieren zu lassen und zu versuchen Schlüsse aus all dem Erlebten zu ziehen. Ich geh auf die tiefe Suche nach dem eigenen Hightlights, den spektakulärsten Momenten, den unglaublichsten Sekunden, die man glaubt sein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen zu werden…

    …Nie vergessen werde ich wohl, wie ich das letzten Wort meiner Abi-Klausur schrieb und mit einem so überdimensional befreitem Gemüt den Raum verließ, kreischend durch den Gang rannte und mich dabei gleichzeitig schrecklich betrank.
    Genau so denke ich aber an die schönen Stunden in der Schule zurück und sehe mich noch kindlich kleine lustige Briefchen schreiben und weiß noch genau wie dreist ich Maßen zum Schwänzen motivierte, um in gemütlicher Runde einen Latte im Stamm-Cafe schlürfen zu können.
    Oder wie ich kleiner Streber mir in "Politik und Wirtschaft" mein Maul fusselig labberte in Mathe aber ohne meine tollen Spick- und Schummeltechniken wohl völlig aufgeschmissen gewesen wäre.
    Schön war dann auch die lange Zeit des Nichts-Tuns. Party, wann der Körper danach schreit, chillen am See, schon morgens um zehn und kein Mensch weit und breit.
    Auch den Mallorca-Urlaub mit meiner Handballmannschaft werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Dort, wo wir auf Tischen tanzten und lauthals Schlager grölten. Dort, wo ich glaubte, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben und dann durch so tragische Umstände zu spüren bekam, was verlieren heißt.
    Überhaupt war 2006 in Sachen Männer eher armselig und die Hin- und Hergerissenheit zwischen "Ich bin Single, tu einfach was ich will und bin so super glücklich" und "Jetzt will ich aber auch mal wieder einen Mann an meiner Seite, jemanden, dem ich was bedeute" ist immer noch da und wird wohl ins Jahr 2007 mitgeschleppt.
    Mal such ich Affäre, mal Schulter zum Anlehen, mal den Mann fürs Leben. Ist wohl so, mit 21, bei mir zumindest, was soll’s.
    Eine der größten Neuerungen in 2006 war wohl auch der Beginn meines Studiums und ein Schritt in Richtung Selbständigkeit. Rein in eine neue Stadt mit neuen Menschen und neuen Hürden. Was Besonderes ist es nicht mehr und schnell gewöhnt man sich an das neue Umfeld.
    Doch, ob man’s glaubt oder nicht, vermissen tue ich meine Heimat immer mehr. Wo ich anfänglich nur mit einem kleinen weinenden Auge Abschied nahm, scheint meine Sehnsucht jetzt von mal zu mal immer größer zu werden.
    Ihr werdet jetzt vielleicht lachen, aber ich krieg ja schon Pipi in den Augen, wenn ich mir im Training meiner neuen Mannschaft auch nur vorstelle, wie schön es doch wäre, von meinem Ex-Trainer umhergescheut zu werden oder den Ball einfach nur simpel in die Hände einer meiner ehemaligen Kolleginnen werfen zu können.
    Und auch das alleinige Schminken vor dem Weggehen macht mich traurig und überhaupt ist es traurig, dass ich bis jetzt wirklich nur männliche Freundschaften in Wü geschlossen habe.
    Manchmal, ja, manchmal würde ich einfach nur gerne laut los schreien, meine Sachen packen und ohne anzuhalten nach hause rennen.
    Hier, wo es jemanden interessiert, ob ich sturzbetrunken allein nach hause laufe, hier, wo jemand sieht, wenn ich endlos traurig bin, hier, wo man weiß, wann es Humor ist und hier, wo ich weiß, dass ich doch auf irgendeine Art und Weise geliebt und gebraucht werde.
    Wie gerne hätte ich jetzt ein dickes Buch vor mir liegen, in das ich nur schnell mal einen Blick auf mein Jahr 2007 werfen könnte. Wird es gut? Bringt es mir viele Freuden? Werde ich leiden? Und womit wird es mich diesmal überraschen?
    Völlig Ahnungslos stehe ich den kommenden 365 Tagen entgegen und es ist fast schon beängstigend, nicht zu wissen, was einen erwartet.
    Voller Vorfreude jedoch werde ich es am Sonntag begrüßen und es beginnen...

    ...mein Jahr 2007!

    Ein noch schönes Jahr 2006
    Eure Äxel

  • Die, die im Dachboden wohnen

    Dass die Bewohner meines Wohnblockes nicht einfach dem Typus "Normalo" zugeordnet werden können, ist mir bekannt. Nicht umsonst wohne auch ich hier. Doch selbst für mich sind einige Artgenossen dann doch ein Stück zu kurios. Zumindest erschien mir das, was ich gestern Abend zu sehen bekam, als äußerst kurios, nein, sogar mehr als das.
    Sein krauser Vollbart und das wild wuchernde Haar deuteten zunächst auf einen der Sorte "alternativ" hin, doch sollte mein erster Eindruck mich getäuscht haben. Denn schon seit nun mehr drei Jahren haust der optisch 35, tatsächlich 26-jährige, schon im Dachboden des benachbarten Wohnblocks. Ohne Geld, ohne Freunde ohne Wärme.
    Wärme, ja, die ist in meinem Zimmer, nachdem ich es immer noch nicht auf die Reihe bekommen habe, zu heizen, schon äußerst rar. Pulli und lange Hose gehören für mich zum Pflichtprogramm und auch bevor ich in die Welt der Träume versinken kann, muss ich mich erst in die Tiefen meiner Bettdecke einkuscheln, um durch meine Körperwärme eine wohlige Wärme zu erzeugen. Was aber macht er? Wie lange dauert es für ihn, bis er eine Temperatur erreicht hat, um endlich einschlafen zu können? Kann er überhaupt einschlafen?
    Als sozialisierte Mitmenschen schenkten wir ihm das bisschen Aufmerksamkeit, dass er brauchte, befriedigten ihn mit ein etwas Tabak, einem halben Glas Sekt und überschüssigem Süßen und sprachen ihm motivierende Worte zu.
    Als er dann jedoch nach meinem roten Nagellack griff und einen tiefen Zug der Überdosis an chemischen Stoffen inhalierte, verschlug es mir für einen Moment die Sprache. Hallo? Geht’s noch? Wahrscheinlich nicht, ich weiß, aber dennoch, so was geht mal gar nicht, finde ich.
    "Man, wenn ihr wüsstet, wie schrecklich es ist, wenn man sich selbst riecht", murmelte er vor sich hin und die zu erwartende darauf folgende Frage ließ auch nicht mehr lange auf sich warten.
    "Meint ihr, ich könnte mal bei euch duschen", warf er mit einem Mitleid erregenden Blick in den Raum und schaute erwartungsvoll in die Runde.
    Sonst immer auf hohem Niveau eine grandiose Ausrede auf Lager, schaute ich nur konzentriert, scheinbar völlig absent, auf mein Handy und betete innerlich, dass einer meiner Mitbewohner die passende Ausrede parat hat. Ich bin nicht kalt und emotionslos, aber das ging mir eindeutig zu weit. Ich hätte mich mit hoher Wahrscheinlichkeit so sehr in sein Waschen unter unserer Dusche reingesteigert, dass meine eben erst hergestellte Sympathie zu unserem Bad womöglich für Monate völlig zu Nichte gemacht wäre.
    "Wir haben im Moment leider keine frischen Handtücher da", war in Hinblick darauf, dass er bei seinem Toilettengang die mindestens 15 Handtücher im Bad gesehen haben muss, zwar nicht das originellste, was eine Ausrede hergeben kann, reichte letztendlich aber dennoch aus, um das Schlimmste zu vermeiden.
    So saß er noch einen Weile da, philosophierte vor sich hin, wie ich es wohl noch nicht einmal in meinem größten Vollsuff getan habe und war auch schon wieder weg.
    Ja, eine Begegnung der merkwürdigeren Art, die aber auch mal sein muss, passiert ja sonst nicht viel in meinem Leben.

    Dachbodenbewohner gibt es übrigens auch in unserem Haus, gesehen habe ich sie jedoch noch nicht. Einzig der aus dem dritten Stockwerk kunstvoll zerschmetterte Fernseher im Flur, weißt auf ihre Anwesenheit hin...

    Eine kuriose Nacht
    Eure Äxel

  • Das praktische Haushaltsgerät

    Ich weiß, ich weiß, der letzte Eintrag ist einfach viel zu lange her und, ganz ehrlich, ich schäme mich zutiefst für meine Unzuverlässigkeit, aber ihr wisst schon, Aufschieberitis und so.
    Spaß bei Seite, die Mischung aus Lesen, Lernen, intensivem Feiern und anschließendem Erholen, raubte mir einfach die Kraft für die richtigen Worte. Nur mittelmäßig gute Beiträge online zu stellen, für mich als kleine Perfektionistin, ein Ding der Unmöglichkeit. Die "Internationale Beziehungen" Zwischenklausur heute hinter mich gebracht und dem Wochenende entgegenblickend, schreibt es sich nun dann doch um einiges entspannter.
    Doch nun genug mit dem Geschwafel und zurück zu gewohnten Muster...

    Man könnte es schon fast wissenschaftliches Arbeiten mit herausragendem Ergebnis nennen, diese völlig sonderbare und doch so geniale Idee, die N. und ich vor einigen Tage im Chat, entwickelten und ausfeilten.
    "Klingt, wie ein Haushaltsgerät, dass man im Laden kaufen kann", schoss es N. plötzlich aus dem Mund aus den Tasten. Und wahrlich, blickte ich auf die zuvor geschriebenen Sätze zurück, denkt man genau das.
    Es wäre der Renner, ein absoluter Verkaufsschlager geradezu und jede Frau würde sich darum reißen, oh ja.
    Spätestens jetzt müsste jedem Leser, der mich nur ansatzweiß kennt, klar sein, hier ist mal wieder von Männern die Rede.
    Doch muss ich euch enttäuschen, hat es mit Sex nämlich nur wenig zu tun, vordergründig zumindest, soll heißen, dass unsere Entwicklung sich noch nicht explizit mit diesem Arbeitsfeld beschäftigt hat und bisher nur bis hier kam:
    …Zärtlich fährt seine große männliche Hand über deinen Rücken, streift an deinem Nacken entlang und löst eine kurzzeitige Gänsehaut bei dir aus. Mit voller Zuneigung schmiegst du dich an seine Brust, während er zärtlich seine Arme um dich legt und dir so viel Geborgenheit schenkt, dass du den Glückshormonüberschuss förmlich spüren kannst...
    Leute, dass war’s auch schon. Ein Schelm, wer jetzt an Schweinereien dachte, die gibts nur live.
    Ja, genau das ist es was Frauen, naja, zumindest N. und ich, manchmal einfach nur wollen.
    Jemanden, der auf Knopfdruck an deiner Seite ist, dir bei Bedarf tröstend durchs Haar fährt und dich einfach nur Ewigkeiten in den Armen hält.
    In Zeiten in denen es dir mal nicht gut geht, du dich einsam fühlst und sie so dringend brauchst, die Schulter zum Anlehnen, soll er da sein.
    Wer jetzt annimmt, die Kleine braucht dringend einen Freund, liegt falsch. Will ich nicht, diese Verpflichtungen, Eifersüchteleien und die damit verbundenen Ärgernisse.
    Noch nicht mal zu Sex muss das "Haushaltsgerät" in der Lage sein, sondern einfach nur streicheln, umarmen und kuscheln können, mehr nicht. Ok, gut aussehen darf er, lecker riechen vielleicht auch noch, das war’s dann aber auch schon an erforderlichen Funktionen.
    Preislich sollte er sich im angemessenen Rahmen halten und am besten jetzt sofort im Supermarkt gleich gegenüber bei mir erhältlich sein.
    Zugegeben, lese ich mir meine Zeilen selbst einmal durch, halte ich mich für verrückt, was ich jedoch auch nicht gänzlich ausschließen kann, die Tatsache jedoch, dass nicht ich, sondern N. es war, die diese Idee in dem Raum warf, beruhigt mich.
    N. ist es auch, die seit einigen Tagen im Besitz eines dieser so begehrten Gerätschaften ist. Streicheleinheiten bei Bedarf und Balsam für die Seele, kostenlos, unverbindlich und nein, auch wenn N. und ich oft die Versautheit in Person sind, lassen wir Sex gewollt außen vor.
    Für mich bleibt dann wohl nur noch zu hoffen, dass mein Patent akzeptiert wird, auf den Markt kommt und für ein besseres Wohlbefinden sorgt.
    Liebes Christkind, wenn du diese Zeilen hier lesen solltest, dann lass doch diese Jahr einfach mal den Pyjama weg und investier lukrativ. Danke!

    ...und bitte nicht zu ernst nehmen, das Ganze, und den Sinn für Ironie erkennen.

    Eine schöne Nacht
    Eure "haushaltsgerätlose" Äxel

  • Männer, das Studium und...die Männer

    Von erbärmlichen Zahnschmerzen geplagt, den Kopf voller politischer Theorien und abstruser Gedankenströme der Soziologie schaff ich es nach viel zu langer Zeit endlich wieder meinen geliebten Blog mit einem neuen Beitrag zu bereichern, den ich mir nach heutigem ausgiebigem Studieren des Sozialkonstruktivismus redlich verdient habe.
    Unschwer zu erkennen ist die nie enden wollende Zeit des vor sich hinvegetieren nach dem Abi endgültig vorbei und der "Ernst des Lebens" hat begonnen.
    Die Schlafphasen wurden leider drastisch gekürzt und der Kaffeekonsum daraus resultierend erschreckend erhöht. Dem Kampf gegen die plötzlich einsetzende Müdigkeit bin ich bisher jedoch noch nicht Herr geworden. Überhaupt schläft es sich in der Maße des Hörsaals doch viel entspannter, als in ehemals übersichtlichen Klassenräumen. Kuschelig halt, umhüllt von hunderten Menschen, die dem Raum eine dickliche Wärme verleihen.
    Auch das monotone Gebrummel meines Soziologiedozenten hat eine scheinbar ähnlich Wirkung auf mich, wie sie Schlaflieder vor etwa 20 Jahren hatten. Und hätte er nicht schon in der ersten Vorlesung erkannt, dass er ein schlechter Leser ist, wäre mein Bedürfnis nun sehr groß ihn mit dem vulgärsten, was mein Wortschatz hergibt, in der Luft zu zerreißen. Dass sein Gesichtsausdruck oft diktatorische Züge einnimmt und sein Arschloch-Getue gar nicht so cool ist, wie er denkt, kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen.
    Optisch schon etwas ansprechender hingegen ist dann doch ein gewisser Herr aus dem politischen Bereich. Die ins Gesicht fallende graue Strähne und der niedliche bayrische Akzent verleihen ihm eine Art Sexappeal, die sein Alter völlig in den Hintergrund rücken. Sehe ich ihn, fällt mir prompt eine Filmszene ein, in der die junge Studentin in das Zimmer ihres Dozenten stolziert. Er, sitzend auf einem teuren Ledersessel, umgeben von Schränken voller diffiziler Wälzer, Zigarre rauchen und kostbaren Whiskey trinken. Wie der Film heißt, fällt mir leider nicht mehr ein, ob es ihn überhaupt gibt, kann ich auch nicht bestätigen. Und überhaupt, kann ich rein gar nichts dafür, dass ältere Herren eine scheinbar magische erotische Ausstrahlung auf mich zu scheinen haben, glaubt man meinem Horoskop-Buch nämlich, "in jüngeren Jahren werden weibliche Skorpione sehr oft zu älteren Männern hingezogen. Sie spüren dort eine größere Erfahrung und eine ausgeprägtere Liebesfähigkeit", schein ich mir keine Sorgen um meine etwas denkwürdige Neigung zu machen.
    Bedenkloser wäre dann schon das Schwärmen für einen weiteren Dozenten aus der politischen Szene. Der fehlende Charme, sowie der unausgeprägte Humor dämpfen den Gedanken über eine heiße Affäre mit dem Doktor jedoch gewaltig und lassen den zensurwürdigen Ausmalungen nur wenig Platz.
    Abgesehen von den Aussagen meines Horoskops könnte vielleicht aber auch ein anderes Phänomen mein Interesse für die Welt der Doktoren aufdecken. Trotz meiner sehr genauen Inspektionen der Menschen, ok, Männer, vor, hinter oder neben mir, scheint es erschreckender Weise einfach keine, nennen wir sie mal, Beute für mich zu geben. Ok, der Typ heute sechs Reihen hinter mir ist schon ne Schnitte, aber wie bitte soll ich denn auf so eine Distanz einen Blickkontakt herstellen? Und dann noch nicht mal bei Studivz angemeldet sein. Ein Kontakt praktisch unmöglich. Schade!
    Aber egal, so kann ich mich wenigstens besser auf mein Studium konzentrieren! Glaubt mir kein Wort!!!
    A propo Studium, wird Zeit mich wieder den Theorien von Alexander Wendt zuzuwenden und eine Strategie für das Aufreißen der Schnitte zu entwickeln.

    Gute Nacht
    Eure Äxel

  • Sie und Er

    Können sie oder können sie nicht? Er und ich, sie und du, er und sie.
    Eigentlich ein grandioser Gedanke. Sie erzählt ihm alles, er erzählt ihr alles. Sie versteht die Männerwelt besser, er versteht die Frauenwelt besser. Ja, ich spreche von Freundschaften zwischen Mann und Frau. „Beste Freunde“, wie man sie kennt, nur eben verschiedengeschlechtlich. Es gibt wohl keine praktikablere Kombination, die, wenn man genau darüber nachdenkt, so viele Vorteile mit sich zieht. Kann so eine Freundschaft aber wirklich funktionieren oder ist es grundsätzlich so, dass man früher oder später bemerkt, dass man nun nicht mehr die „besten Freunde“ ist, weil man sich plötzlich im Bett gegenüber liegt und bemerkt, dass man gerade seinen „besten Freund“ gebumst hat?
    Lasse ich meine Freundschaften zu Männer gedanklich Revue passieren, dann….aber seht einfach selbst.
    C war neu, klein und trug jeden Tag eine andere Cap. Insgesamt besaß er davon 32 Stück und ich staune gerade selbst über mich, dass ich mich nach dieser langen Zeit noch daran erinnern kann. Es muss irgendwann in der 6. Klasse gewesen sein, als er plötzlich den Klassenraum betrat und den leeren Platz direkt hinter mir einnahm. Ich drehte mich um, reichte ihm ein paar von meinen klebrigen, bunten Schnüren und wusste, dass wir uns verstehen würden. So dauerte es nicht lange und wir verbrachten jede Sekunde miteinander. In den Pausen spielten wir Fußball, teilten uns eine Cola in der Cafeteria oder rauchten heimlich im Schlosspark. Im Unterricht schrieben wir uns Briefchen, beschmissen die Klassen-Looser mit Papierschnipseln oder brachten die Lehrer einfach nur schier in den Wahnsinn. Heimlich fuhren wir im Sommer an einen Steinbruch, sprangen von zehn Meter hohen Klippen in die Tiefe und grillten dann unerlaubt Würstchen. Zusammen sahen wir uns Freddy Krüger Filme an, wagten uns sogar einmal U-Bahn-Skaten zu und rauchten gemeinsam unseren ersten Joint.
    Wir waren wohl das, was man als beste Freunde bezeichnen würde und verloren nicht den geringsten Gedanken daran, dass sich aus unserer Freundschaft mehr entwickeln würde und wären wir nicht gemeinsam auf Klassenfahrt gewesen und hätten wir kein „Wahrheit oder Pflicht“ gespielt, wäre es vielleicht auch so geblieben. So jedoch kam es zu diesem Kuss, er schrieb mir plötzlich Liebesbriefchen und sie war nicht mehr das, was sie einmal war, unsere Freundschaft. Bald schon zog er weg, ich wechselte die Schule und wir verloren uns aus den Augen. Zwei oder auch drei Mal im Jahr rief er mich an, wir quatschten kurz und vergaßen uns dann wieder für ein Drittel Jahr. Vor einem Jahr traf ich ihm in einem Club, in dem er dem Inder den ganzen Strauß Rosen abkaufte,ihn mir gab und gestand mich schon immer geliebt zu haben, wieder.
    Leider endete die Freundschaft nicht wie bei „Harry und Sally“, ich weiß ihn ab und sah ihn nah ein paar Telefonterroraktionen seinerseits nie wieder.

    Als ich D. kennen lernte, war ich in der 12. Klasse. Er war die Fröhlichkeit in Person, brachte mich in jeder Lage zum Lachen und wurde nicht umsonst am Ende der Schulzeit zum Jungen mit dem schönsten Lächeln gekürt. Täglich schrieben wir uns SMS, telefonierten drei Stunden am Stück und chatteten durch die Nacht. Wir betranken uns ganz fürchterlich, tanzten zu „Time of my life“ und hatten ein Faible für Lovesongs aus den 90ern.
    Nachdem wir es in einer Nacht im Bett, auf dem Schreibtisch sowie auf dem Drehstuhl getrieben hatten, war es einfach nicht mehr wie früher. Der Kontakt wurde immer schmäler und nachdem wir es dann noch zwei weitere Male getan haben, ist der Kontakt heute gänzlich abgebrochen.

    Selbstverständlich arten Freundschaften zwischen Mann und Frau nicht grundsätzlich in eine heiße Nacht aus und ich kann auch eine Hand Männer aufzählen, mit denen ich mich gut verstand oder verstehe, ohne, dass sich ein Part in den anderen verliebte oder man gleich in die Kiste stieg. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Gefahr, dass genau dies geschieht, verdammt hoch ist. Und ist es erst geschehen, dann ist sie praktisch hin, die Freundschaft und es wird einfach nie, wie es einmal war, egal wie sehr man versucht zu verdrängen und zu vergessen.
    Ich könnte sogar, wäre ich noch übergeschnappter, als ich schon bin, unglücklichen Frauen auf der Suche nach Sex den Tipp geben, sich einen besten Freund zuzulegen und zu hoffen, dass die Freundschaft irgendwann in Sex übergeht. Tu ich aber nicht, sondern will einfach nur verdeutlichen, dass das Risiko, es mit dem „besten Freund“ früher oder später zu tun, da ist.

    Normalerweise sollte an dieser Stelle nun eine Art Resümee, dass ich aus der ganzen Sache ziehe, stehen, da ich jedoch selbst nicht so genau weiß, was ich denn nun damit sagen wollte und noch nicht einmal eine Ahnung habe, wie ich denn nun selbst eigentlich zu der ganzen Sache stehe, endet der Beitrag einfach so. Punkt.

    Eine schöne N acht
    Eure Äxel

  • Konstant stagnierend

    Stagnationsphase. So nenne ich sie gerne, die Zeit, in der liebestechnisch rein gar nichts passiert. Kein Mann, den ich in Aussicht habe und kein Mann, der mich in Aussicht hat. Liebe und Co spielen im meinem Leben momentan so eine große Rolle, wie auf den Straßen Nordkoreas.
    Während der größte Teil meines Freundeskreis in festen Händen ist, Jahresjubiläen feiert und das Zusammenziehen plant, spaziere ich im Singular durch die Welt. Natürlich kenne ich die Vorzüge des Single-Lebens und nur bei dem Gedanken an die zwei Jahre, in denen ich mit einem Mann unter einem Dach lebte, lösen eine kurzzeitig Übelkeit bei mir aus. Dennoch, so ganz ohne das andere Geschlecht, fehlt einem dann doch was. Mir zumindest.
    Irgendwas brauch ich immer. Neinnnnn, nicht was ihr schon wieder denkt, ich meine anders. Ich brauche einen Mann, für den ich mir vor dem Kleiderschrank den Kopf zerbrechen kann, bevor ich das Haus verlasse. Einen Mann, für den ich eine Bahn früher nehme, um ihn sehen zu können. Einen Mann, für den ich auch noch das 20. Bier in mich reinwürge, nur um mit ihm anstoßen zu können. Einen Mann, für den ich den schlechtesten Club weit und breit betrete, nur um ihm zu begegnen.
    Oder aber einen Mann, der mich aus der hintersten Ecke anlächelt. Einen Mann, der mir ganz plötzliche eine mysteriöse SMS schreibt. Einen Mann, der bei meinem Anblick nervös wird.
    Um es einfach auszudrücken, mir fehlen diese kleinen Flirts und Schwärmereien, die mir für gewöhnlich den Alltag versüßen. Doch wo sind sie?
    Liegt es an der Jahreszeit? Ist der Sommer noch zu nah und er Winter noch zu fern? Oder ticken die Männer in Bayern einfach anders? Ich weiß es nicht…
    Die Liebe selbst scheint den Würzburgern zumindest nicht allzu fremd zu sein, erläuterte doch erst neulich ein Penner dem Anderen, während er in der einen Hand sein Bier durch die Luft schwang und mit der anderen wild gestikulierte: „Weißt du, was das Wichtigste in der Liebe ist? Erstens, die Freundschaft und Zweitens, das Vertrauen!“
    Und auch den kleinen Gangstern in der Bahn scheint die Liebe ein gängiger Begriff zu sein, ließ sie meine „I love Köln“-Tasche doch sehr interessante Schlüsse ziehen: „Ey aldder, liebst du Köln, oda was? Aldder, ich hab auch mal in Köln gewohnt! Liebst du mich jetzt auch oder was, aldder?“
    Ähm, ja, klar, ich bin in jeden einzelnen Bürger Kölns verliebt, ist klar, oder?
    Da glaubte ich also mit meinem Umzug auf neues, unerforschtes Männer-Terrain zu stoßen und nun herrscht so eine Stille um mein Liebesleben, selbst Robinson Crusoe hatte wohl mehr Sex zu Flirten.
    Bleibt mir wohl nichts anderes übrig als zu stagnieren. So ne Männer-Pause kann sicher auch mal gut tun, sofern sie nicht zu lang ist.
    Glücklich bin ich dennoch, dass ich übernächstes Wochenende mal wieder in meinem heimischen Sektor Einzug nehmen werde. Drei Tage sollten reichen, um die Stagnationsphase zu beenden, hoff ich.

    Singularische Grüße
    Eure Äxel

  • BRAVO halt

    P. tat es, M. tat es und auch B. konnte nicht ohne sie. Damals wie heute ist sie für eine bestimmte Generation nicht wegzudenken und auch in diesen Tagen ist sie wieder in aller Munde. Print- sowie TV-Medien überschütten mich momentan mit Informationen über sie und auch der ein oder andere Blogger kann es nicht lassen über sie ein Wort zu verlieren. Klar, die Rede ist von keiner Geringeren als der BRAVO, die am Samstag ihren 50-ten Geburtstag feiern wird.
    Während sie jedoch für viele meiner Freunde und wohl den größten Teil der restlichen damaligen Teenies das absolute wöchentliche Must-Have war, kann ich selber mich gerade so an den Kauf von einigen wenigen Exemplaren erinnern. In unvergesslichen Erinnerungen schwelgen und eine damalige tiefe Verbundenheit zu ihr zelebrieren, kann ich anlässlich ihres Geburtstages also nicht. Viel mehr war ich ein Freund ihres, wie soll ich sagen, „Bruders“, der BRAVO-Sport.
    Während andere sich die Bügelbildchen der Kelly-Family auf ihr Shirt zauberten, erfreute ich mich an Nasenplastern, die ein besseres Atmen beim Sport voraussagten. Auch Starschnitte waren für mich keine Highlights, denn was ging schon über die tolle Bundesligastecktabelle?!?
    Spätestens jetzt sollte der werte Leser es herausgelesen haben. Ja, meine Zimmerwände zierten Basler, Bobic, Köpke und Scholl und an meinen Schranktüren klebten Hässler, Klinsmann und Matthäus. Sie waren die Helden meiner Jugend und ich erfreute mich über ihre Tore wie meine Freundin K. damals über die neue Single von Caught in the Act.
    Klar, auch ich erkannte irgendwann die Vorzüge von Take That und fand auch mal die Backstreet Boys süß, ein Fan der BRAVO wurde ich dadurch aber nie so wirklich. Überhaupt störte mich dieses, nennen wir es mal Altpapier, aus dem sie bestand, wo ihr Bruder doch mit einem viel glanzreicherem und härterem Cover dienen konnte.
    Natürlich diente die BRAVO nicht nur mit Postern und Infos rund um die Popsternchenwelt und gebe es den guten, alten Dr. Sommer nicht, sie wäre vielleicht nur halb so beliebt und
    ich müsste lügen, wenn ich jetzt sage, dass Sex und Co mich damals nicht interessiert hätten.
    So kaufte ich sie mir eines Tages also doch und wollte wissen, was es denn eigentlich auf sich hat mit dem ganzen Schweinekram von dem meine Klassenkameraden sprachen.
    Freudestrahlend hielt ich sie also in der Hand, marschierte nach hause und legte sie zunächst stolz auf den Küchentisch und aß brav zu Mittag.
    Vor Neugier platzend hechtete ich sogleich in mein Zimmer und konnte kaum erwarten, was mir Dr. Sommer denn nun berichten würde. Einmal blätterte ich durch, ein zweites und auch ein drittes Mal, vergewisserte mich noch mal im Inhaltsverzeichnis und konnte es nicht fassen. Sie waren weg. Einfach weg. Die Seiten, die nackte Körper zierten, die Seiten, die mir meine Fragen beantworten sollten, waren einfach weg. Ganz dreist rausgerissen.
    Empört rannte ich zu meinen Eltern und ließ mich verärgert über den Kiosk-Betreiber aus bis ich entrüstet unterbrochen wurde: „Wenn du alt genug bist, darfst du dir das angucken, jetzt bist du aber noch zu jung dafür.“ What the fuck??? Da möchte ich nun also den peinlichen Aufklärungsversuchen meiner Mutter entgehen und den Job der Aufklärung allein in die Hand nehmen und was passiert? In wenigen Sekunden entledigt man mich des wichtigsten Teils dieses Trend-Blattes und 1,50 Mark, die ich in tolle Fußball-Panini-Bildchen hätte investieren können, waren zum Himmel hinausgeworfen, weil mir East 17 und Blümchen sowieso am Arsch vorbeigingen.
    Das mit der Aufklärung erledigte sich übrigens zwei Wochen später, als meine Clique und ich uns bei einer Freundin einen Porno ihres Vaters ansahen, bei dem jeder weg, aber irgendwie auch hinsah. Die rausgerissenen Seiten nahm ich meinen Eltern noch lange übel und bei dem nächsten Aufklärungsversuch meiner Mutter entgegnete ich nur frech, „Ey Mama, das weiß ich doch schon alles!“.
    Nun, meine Jugendzeit überstand ich also auch ohne BRAVO, aufgeklärt bin ich dennoch und das armselige Papier, das mir heute wohl noch nicht mal als Brennmaterial dienen könnte, find ich heute noch blöd.

    Eine BRAVOuröse Nacht
    Eure Äxel

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