Verdammt, ich hatte doch noch nie in meinem Leben ein Vorstellungsgespräch und jetzt, wo es nur noch wenige Tage sind, scheiß ich mir mächtig in die Hosen, ehrlich!
Und je öfter ich das Wort "Vorstellungsgespräch" in die Google-Suchmaske eingebe, desto schlimmer werden die Ergebnisse. Was im Endeeffekt dazu dienen sollte mir mit einigen hilfreichen Tipps zu dienen, artet nun so langsam in ein Horror-Szenario aus.
Immer mehr mögliche Fragen, die man mir stellen könnte auf die ich im Stehgreif keine flotte Antwort hätte.
Seit Tagen zerbrech ich mir nun schon meinen Kopf über meine Schwächen und finde einfach keine, weil ich natürlich keine habe die mich nicht dumm dastehen lassen würde.
Glaube ich eine gefunden zu haben, die ein Arbeitgeber auch positiv auslegen könnte, habe ich sie auch schon schnell wieder verworfen.
Zu aller erst fällt mir da mein Perfektionismus ein, der mir des Öfteren wirklich mächtig auf den Geist geht und mir vor allem kostbare Zeit raubt.
Aber den nennt wohl Hinz und Kunz als Schwäche beim Vorstellungsgespräch und das weiß sicher auch jeder Chef.
Und überhaupt, was würden die von mir halten, wenn ich erzähle, dass ich bei meinem Bewerbungsschreiben für viele Wörter fast alle Synonyme zusammengesucht habe, nur um dann "das perferkte Wort" auf Papier stehen zu haben.
Oder, dass ich mich manchmal dumm und dämmlich ärgere, wenn ich feststelle, dass ich vergessen habe den passend farblichen Haarreif zu meinem Outfit anzuziehen und mich erst nach Stunden mit meinem unperfekten Erscheinungsbild zufrieden geben kannn.
Also bitte, die werden mich doch für völlig irre halten und glauben, dass ich drei Jahre quer durch Deutschland rennen werde, nur um die "perfekte" Location für ein Event ausfindig zu machen.
Nee, also Perfektionismus geht wirklich nicht.
"Eine Schwäche von mir ist, dass ich nicht in der Lage bin, einen Sachverhalt kurz und knapp zu schildern", hört sich jedoch auch nicht besser an.
Wie soll ich denen den verklickern, dass ich immer den Drang habe, so viel Dramturgie, Spannung und Detailliebe wie möglich in mein Erzähltes zu packen, dass mein Gegenüber gar nicht mehr zu Wort kommt?
Solte ich denen irgendwann mal von einer Veranstaltung Bericht erstatten, würden die doch glauben ich berichte gleich über eine langjährige Veranstaltungsreihe. Auch blöd.
Und das ich immer glaube im Recht zu sein und auch dann noch darauf beruhe, wenn ich schon längst festgestellt habe, dass ich halt daneben lag, schändet sicher auch nicht den allerbesten Eindruck. Ne kleine Klugscheißerin, werden die sich sicher denken.
Egal welche Schwäche ich mir zusammenbastel, muss ich sie belegen, wird sie generell ins schlechte Licht gerückt. Das ist doch wirklich jämmerlich.
Egal, da muss ich wohl durch oder einfach mal hoffen, dass nur ich so eine blühende Phantasie besitze, Schwächen zunächst ins Gute und daraufhin gleich wieder ins schlecht Licht zu rücken.
Fakt ist, mir zittern die Knie vor weiteren Fragen, die ich mich nie fragen wollte und ich mache drei, nein 30 Kreuze, wenn ich dieses Vorstellungsgespräch heil überstanden habe.
Jetzt gehts erstmal wieder Richtung Heimat.
Möge das verdammte Glück am Montag wieder auf meiner Seite stehen. Ist eh mal wieder höchste Zeit...
Guten Morgen
Eure Vorstellungsgesprächtraumatisierte Äxel

